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Meldung 2 von 426

Mi 09.01.2019

Wolfs- und Herdenschutz realistischer machen!

Anlässlich der Diskussion um das Wolfsmanagement in Schleswig-Holstein erklärte der schleswig-holsteinische CDU-Europaabgeordnete Reimer Böge: „Die Schutznotwendigkeiten der Wolfspopulationen in Europa und die sich aus dem strikten Wortlaut von Art.12 der Habitatrichtlinie als Vorgabe für den strengen Schutz von in Anhang IV genannten Tieren geraten zunehmend in Konflikt mit den Lebensrealitäten ländlicher Gebiete und einer offenen Weidehaltung. Hier entsteht zunehmend ein politisches Konfliktpotential, auf das es bessere Antworten geben muss als bisher.

Absurd klingt es für die Betroffenen, wenn in einem Leitliniendokument der EU-Kommission davon gesprochen wird, man könne doch über ein ecolabelling in den „wolfsbetroffenen Regionen“ (Produkte oder über „Wolfstourismus“) Einkommen in diese Gebiete bringen.

Was ist also zu tun?

  1. Wir brauchen eine genaue Bewertung des Status quo der verschiedenen bestehenden Wolfspopulationen. Neue Wolfspopulationen fallen nicht vom Himmel, sondern sind selbstverständlich den Populationen zuzuordnen, aus denen sie stammen. Alles andere wäre Manipulation und eine Überdehnung des notwendigen Schutzes.
  2. Die zu erwartende Ausdehnung der Wolfspopulation wird auch in Schleswig-Holstein zunehmend in Konflikt mit einer offenen Weidehaltung geraten. Schutzzäune, wie sie heute noch empfohlen werden, reichen nicht aus. In dem oben genannten Leitliniendokument wird von 2 m hohen, geknüpften Zäunen mit 5 Stromdrähten (20-110 cm über dem Boden + 20 cm tief eingegraben) gesprochen. Dies erfordert erhebliche Investitionen und Arbeitskosten, die einzelne Betriebe nicht leisten können.
  3. Der zunehmende Bedarf an funktionsfähigen Schutzzäunen wird aber gleichzeitig zur Folge haben, dass vielen anderen Tierarten diese umzäunten Wiesen und Weiden nicht mehr zur Verfügung stehen. Dies kann eine erhebliche Beeinträchtigung der Erhaltungsziele betroffener FFH-Gebiete bedeuten. Dieser Aspekt wird bis heute überhaupt nicht berücksichtigt. Es muss gelingen, die Schutzerfordernisse mit der gebotenen regionalen Flexibilität zu verknüpfen, ggf. auch durch Anpassung und Klarstellung der Habitatrichtlinie. Ansonsten wird der Schutzgedanke erheblichen Schaden nehmen.“

Abschießend forderte Böge die Landesregierung und Minister Jan Philipp Albrecht auf, diese Überlegungen aufzunehmen und die Betriebe nicht alleine zu lassen.