Aktuelles

Beachten Sie auch die Terminliste sowie die Berichterstattung/Bilder von Terminen vor Ort.

Meldung 382 von 407

Fr 23.04.1999

Vorrang für Verbraucherschutz

Anläßlich des gestrigen Gesprächsabends der Frauen Union im Kreis Plön erklärte der stellvertretende Landesvorsitzende der CDU und Europaabgeordnete Reimer Böge in Raisdorf u.a.:

Im Handelsstreit zwischen der Europäischen Union (EU) und den Vereinigten Staaten um die Lieferung von hormonfreiem Fleisch geht es um die Grundsatzfrage, im Zweifelsfalle vorbeugenden Verbraucherschutz auch im internationalen Handelsrecht zu verankern. Die EU-Kommission hat im Agrarausschuß des Europäischen Parlaments erläutert, daß bis zu 20% der untersuchten Stichproben amerikanischen Importfleisches Rückstände verbotener Masthormone enthielten. Neben Rückständen der in den USA zugelassenen Hormone wurde auch ein in Amerika verbotener Wachstumsförderer gefunden. Damit steht fest: Die Vereinigten Staaten haben die europäischen Vorgaben, nur hormonfreies Fleisch zu liefern, sträflichst verletzt. Mit diesen Untersuchungsergebnissen wird gleichzeitig das Überwachungs- und Kontrollsystem in den Vereinigten Staaten grundsätzlich in Frage gestellt.

Nach vorliegenden Informationen scheint insbesondere die nicht sachgerechte Verabreichung von Hormonimplantaten in Verbindung mit nicht vorhandenen Kontrollen eine der Hauptgefahren zu sein.

Der europäische Gipfel von Luxemburg hat im Dezember 1997 gefordert, daß die Grundsätze der Offenheit und Transparenz endlich auch in internationalen Wissenschaftsgremien durchgesetzt werden müssen. Es gibt große Zweifel, ob wirklich alle vorliegenden vertraulichen Berichte der internationalen Wissenschaft zugänglich gemacht worden sind. Die verwendeten Daten und Bewertungen, auf die sich die WTO beruft, stammen zum großen Teil aus den 70er Jahren und beinhalten keine Langzeitstudien und keine Bewertung von Hormonkombinationen, wie sie heute fast ausschließlich verwendet werden.

So habe Professor Epstein (Universität Illinois) unter Berufung auf vertrauliche Industrieberichte an die amerikanische FDA (Food and Drug Administration) erläutert, daß in diesen vertraulichen Dokumenten eine mögliche karzinogene Wirkung künstlicher Anabolika angesprochen wird und daß es zurückgehaltene Studien zur prepubertären Entwicklung von Kindern durch Östrogenverabreichung in Nahrungsmitteln gibt. Diese Dokumente müssen sowohl den internationalen Wissenschaftsgremien als auch den zuständigen EU-Wissenschaftsausschüssen zur Kenntnis gegeben werden, bevor eine abschließende Bewertung von Sicherheit oder Risiken getroffen werden kann.

Die Überlegung, zur Begrenzung des Handelskonfliktes eine Kennzeichnung von Importfleisch mit Made in USA einzuführen, stellt vor diesem Hintergrund eine Hilfskrücke dar, die grundlegende Fragen nicht beantwortet.

Landwirte und Verbraucher sitzen hier in einem Boot. Die Land- und Ernährungswirtschaft sollte alles tun, den beschrittenen Weg der Vertrauensbildung über Kennzeichnung und Etikettierung und nachvollziehbaren Garantien weiter zu beschreiten. Die Verbraucher haben es in der Hand, durch ihr Kaufverhalten das Bemühen um Qualitätsproduktion nachhaltig zu unterstützen.